Klettersteig Via Ferrata du Grand Bec, Frankreich

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Französische Klettersteige sind oftmals spektakulär und sorgen für ordentlich Adrenalin – die Via Ferrata du Grand Bec ist hier keine Ausnahme! Weniger geübte Klettersteiger sollten sich zunächst an den anderen Klettersteigen der Region versuchen, z.B. der Via Ferrata de la Cascade, der Via Ferrata du Lac du Sautet und den beiden Klettersteigen in Chamrousse. Nur wer hier sicher und ohne mulmiges Gefühl durchsteigt, sollte den Grand Bec angehen.

Vorbereitung

Vom Klettersteigführer „Toutes les Via Ferrata de France“ wird der Klettersteig mit D+ bewertet, auf Deutsch übersetzt also etwa „schwierig mit Sternchen“. Nicht nur was die Höhenangst angeht sollte man geübt sein, auch körperlich verlangt einem dieser Klettersteig einiges ab, an den kritischen Stellen gibt es praktisch keine Möglichkeiten für eine Rast, eine gute Vorbereitung im Fitnessstudio oder an der Kletterwand ist also sehr empfehlenswert! Insgesamt geht es ca. 330 Höhenmeter bergauf auf über 2000 m. Der Klettersteig ist in 2 Abschnitte unterteilt, nach dem ersten Abschnitt gibt es die Möglichkeit auszusteigen. Wer hier nicht mehr 100%ig fit ist, sollte diese Möglichkeit lieber wahrnehmen, denn der zweite Teil hat es wirklich in sich, hat man den zweiten Teil gestartet, gibt es kein Zurück mehr!

Deutschsprachige Klettersteigliteratur empfiehlt gerne, auf Klettersteigen nur Griffe im Fels zu suchen und sich nicht an Drahtseilen oder deren Befestigungen entlangzuhangeln. Wer sich einen Gefallen tun möchte, kann diese Grundsätze in Frankreich am besten von vornherein vergessen, viele Passagen sind hier so gestaltet, dass man praktisch gezwungen ist, diese Hilfsmittel zu nutzen.

Plane für den Klettersteig einen kompletten Tag inkl. Verpflegung ein, denn mit Zu- und Abstieg ist man hier je nach Tempo 5-6 Stunden unterwegs.

Zustieg

Los geht es an einem kleinen Parkplatz nahe der Skistation Alpe du Grand Serre, ca. 30 Autominuten von Grenoble. Nah am Parkplatz befindet sich der Zustieg zur wesentlich einfacheren Via Ferrata de la Cascade. Diese lassen wir links liegen und folgen stattdessen zu Fuß der Beschilderung „Via Ferrata“ bis wir nach einem Marsch von einer guten Dreiviertelstunde den Einstieg zum Klettersteig erreichen.


Tafel am Einstieg
Tafel am Einstieg

1. Abschnitt

Der erste Abschnitt des Klettersteigs wird offiziell mit AD also „relativ schwierig“ bewertet. Nach einer etwas kniffligen, glatten Felswand mit wenig Griffmöglichkeiten ganz zu Beginn, gefolgt von der Überquerung eines schmalen Balkens geht es hier eigentlich recht entspannt weiter. Vorbei an einigen tollen Fotospots mit Ausblick auf die gegenüberliegenden Berge und die Skistation steigt man immer weiter aufwärts, die Abgründe sind schon recht beeindruckend, besonders knifflige Kletterpartien sind aber nicht dabei, man ist quasi durchgängig auf schmalen Metalltritten unterwegs und hat meist Stahlbügel, um sich festzuhalten. Wäre der Abstieg nach diesem ersten Teil nicht so unwegsam, wäre dies ein sehr guter Klettersteig für etwas fortgeschrittenere Anfänger.

Toller Ausblick unterwegs!
Toller Ausblick unterwegs!

2. Abschnitt

Wer alle meine Warnhinweise ignoriert hat, begibt sich in den zweiten Abschnitt des Aufstiegs. Dieser ist von einem ganz anderen Kaliber, was man schon nach einigen Minuten feststellt. Die meiste Zeit hangelt man sich ab jetzt durch senkrechten Fels nach oben, vorbei an bunten Alpenblumen und immer dem starken Wind ausgesetzt. Während sich die Anstrengung dabei zunächst nur körperlich bemerkbar macht, wird der Blick nach unten immer furchteinflößender und man beginnt unwillkürlich, sich etwas fester an die Griffe zu krallen. Nach etwa einer halben Stunde erreicht man einen weiteren Holzbalken, über den man balancieren muss. Hier lohnt es sich, eine kurze Pause für Fotos und eine Stärkung einzulegen, denn gleich nach dem Balken kommt die schwierigste Stelle!

Kurz vorm Überhang ist man noch guter Dinge - Via Ferrata du Grand Bec
Kurz vorm Überhang ist man noch guter Dinge – Via Ferrata du Grand Bec

Während man rechts am Fels entlangklettert und sich dabei an den langen Metallgeländern festhält, gerät man nach und nach in einen leichten Überhang, der das Festhalten richtig schwer macht. Zum Schluss hängt man mit dem Rücken direkt unterm Abgrund und muss wieder senkrecht den Fels hochklettern, den passenden Griff sieht man hier nicht auf Anhieb und je länger man an dieser Stelle hängt, desto mehr geht einem die Puste aus! Hat man den Überhang überwunden, will man so schnell wie möglich weiter, nach einem kurzen senkrechten Stück erreicht man eine umgedrehte Leiter, auf der man nochmals das Überhangfeeling mit wesentlich weniger Anstrengung erleben kann. Weiter geht es bergauf, jetzt kommen allerdings keine weiteren Schwierigkeiten. Nach einer Weile endet der Klettersteig und man folgt einem Trampelpfad das letzte Stück hinauf zum Bergsee „Lac Brouffier“. Auf dem Bergkamm angekommen hat man bei gutem Wetter einen fantastischen Ausblick über Grenoble!

Abstieg

Ab dem Lac Brouffier ist der Weg zurück zum Parkplatz ausgeschildert, man kann den Tag also in einer gemütlichen Wanderung von etwa einer Stunde zurück zum Auto ausklingen lassen.

Lac Brouffier
Lac Brouffier

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