Der Bell Super 3R – Alleskönner-Helm für den Trail?

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Helme sind ohne Frage der wichtigste Ausrüstungsgegenstand beim Mountainbiken. In den letzten Jahren haben sich die Hersteller mächtig ins Zeug gelegt und ihre Helme leichter, sicherer und schicker gemacht. Ein heftiger Sturz, bei dem ich 2014 meinen Helm komplett zerstört habe, war der Auslöser für mich, einmal mehr über Sicherheit beim Biken nachzudenken. Noch unter dem Eindruck des Crashs kaufte ich mir damals einen Fullface-Downhillhelm. Mit diesem fühlte ich mich bestens geschützt, allerdings musste ich schnell lernen, dass Bergauffahren mit dem Downhillhelm kein Zuckerschlecken ist: man bekommt hier einfach nicht genug Luft, schwitzt wie verrückt und die Sicht ist eingeschränkt. Das hohe Gewicht tut sein Übriges, um einem den Spaß zu vermiesen. So wanderte der Helm schnell wieder in den Schrank, wo er bis heute mit wenigen Ausnahmen sein einsames Dasein fristet.

Eine Lösung für dieses Dilemma bieten die Hersteller seit einiger Zeit in Form von Helmen mit abnehmbaren Kinnbügeln an. Die Idee ist es, den Kinnschutz bergauf abnehmen zu können, um so eine bessere Belüftung zu erreichen. Geht es dann in schnelle Downhillpassagen, wird der Kinnbügel einfach wieder angebracht, um Kiefer und Gebiss des Fahrers besser zu schützen.

Ursprünglich hatte ich bereits die Anschaffung des Vorjahresmodells Super 2R von Bell geplant, leider stellte sich bei der Anprobe heraus, dass mein Kopf für diesen Helm einfach zu groß war. So nutzte ich schließlich meinen Besuch auf der Eurobike 2016, um mich nach Alternativen umzusehen. Ich fand hier den Jakkyl Hde von Uvex, den Giro Switchblade sowie den DBX 3.0 ENDURO V2 von Leatt, die ich hier alle genauer unter die Lupe nehmen und anprobieren konnte. Als ich schließlich beim Messestand von Bell ankam und einen Mitarbeiter auf mein Problem mit der Passform des 2R ansprach, erklärte mir dieser, dass beim neuen Modell, dem Super 3R, spezielle Anpassungen für Fahrer mit großem Kopfumfang gemacht wurden, und siehe da, der Helm, den er mir zur Anprobe gab, passte perfekt!

Ich bestellte den Helm also gleich nachdem er auf dem Markt erschienen war. Nachdem ich über den Winter hinweg schon einige Runden mit dem neuen Kopfschutz drehen konnte, kommt hier nun mein Testbericht:

Design

Die Form des Super 3R unterscheidet sich kaum vom Vorgänger, dafür hat sich Bell bei der Farbgebung mächtig ins Zeug gelegt. Es fiel mir nicht leicht, mich für ein Modell zu entscheiden, von schlicht bis grell und bunt ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ich entschied mich schließlich für das Modell black/retina sear. Der Helm wirkt mit Kinnbügel recht schlank auf dem Kopf, nimmt man den Bügel ab, wirkt das Ganze durch die sehr breite und tief heruntergezogene Nackenpartie plötzlich jedoch etwas klobig im Vergleich zu anderen Helmen.

Bell Super 3R ohne Kinnbügel
Bell Super 3R ohne Kinnbügel

Komfort

Der Helm trägt sich mit Kinnbügel sehr angenehm, im Vergleich zu einem echten Downhillhelm fühlt man sich deutlich weniger eingeengt und die Sicht wird kaum eingeschränkt. Optional herausnehmbare Wangenpolster und ein Einstellrädchen im Nacken machen die individuelle Anpassung sehr einfach. Die Luftzufuhr ist selbst mit Kinnschutz gut, in den kalten Wintermonaten habe ich ihn daher auch bergauf praktisch immer dran gelassen. Auch nach längerem Tragen konnte ich dabei keine unangenehmen Druckstellen an den Wangen oder am Kopf feststellen. Mit 784 g ist der Super 3R verhältnismäßig leicht, die Luftzufuhr am Kopf ist ausreichend, allerdings fällt sie doch etwas geringer aus als bei einigen „luftigeren“ Mountainbikehelmen.
Beim Tragen mit Kinnbügel höre ich beim Einatmen ein leichtes Knarzen im Nackenbereich, dies wird beim Fahren locker durch die Geräusche des Fahrrads übertönt, bei Pausen stört das Geräusch allerdings schon ein wenig.

Funktion

Das Abnehmen und Anbringen des Kinnbügels gelingt nach kurzer Eingewöhnungsphase problemlos innerhalb weniger Sekunden. Der Kinnbügel ist dann schnell im Rucksack verstaut, man würde sich allerdings wünschen, dass er dort etwas weniger Platz wegnimmt. Leider lässt er sich nicht zusammenfalten und nur sehr wenig zusammendrücken, ein schmaler Trailrucksack mit wenig Volumen reicht also nicht aus. Als zusätzliches Feature liefert Bell eine Halterung für GoPro-kompatible Actioncams mit, super!

Bell Super 3R Kinnbügel
Der Kinnbügel braucht viel Platz im Rucksack

Sicherheit

Der Super 3R verfügt über eine gelbe MIPS Innenschale. Auf dieser Schale kann sich die Außenhülle des Helms im Falle eines Sturzes einige Zentimeter weiterbewegen, was dazu führt, dass die Kraft des Aufschlags weniger ruckartig auf Kopf und Wirbelsäule des Trägers wirkt. Ich bin zwar bereits einmal auf vereister Strecke mit dem Super 3R leicht gestürzt, glücklicherweise war das aber noch kein echter Crashtest. Der Vorgänger Super 2R kommt bei einem Test des TÜV Labors recht gut weg, daher gehe ich davon aus, dass auch das aktuelle Modell eine gute Crashsicherheit bietet.
Im Gegensatz zum Vorjahresmodell ist die abnehmbare GoPro-Halterung mit einer „Sollbruchstelle“ ausgerüstet. Dadurch soll bei schweren Stürzen verhindert werden, dass der Fahrer Verletzungen durch die Kamera erleidet. Die Kamerahaltung löst sich also bei zu starker Krafteinwirkung einfach vom Helm, sicher ein sinnvolles Sicherheitsplus für Actioncam-Enthusiasten.
An die Sicherheit eines Downhillhelms reicht der Super 3R jedoch nicht heran, wie die Tests zeigen. Wer im Bikepark unterwegs ist sollte hier also lieber keine Kompromisse machen.

Preis/Leistung

Der Preis von knapp 250 Euro ist für einen Fahrradhelm wirklich viel, für das Geld könnte man sich stattdessen auch einen Trailhelm und einen Downhillhelm kaufen und wäre damit auch für den Bikepark bestens ausgestattet. Man bekommt mit dem Super 3R allerdings einen sehr guten Kompromiss aus beiden Welten, der perfekt zu den immer schneller werdenden Enduro- und Trailbikes passt. Wer gerne schnell unterwegs ist sollte sich überlegen, ob ihm das die Investition nicht wert ist. Wer jetzt befürchtet, beim Tragen eins so teuren Helms Hemmungen vorm schnellen Fahren zu bekommen, der kann beruhigt werden: Sollte man den Helm innerhalb der ersten 3 Jahre bei einem Sturz zerstören, bekommt man von Bell 50% des Kaufpreises erstattet!
Wen der hohe Preis abschreckt, der kann sich im Internet nach dem Vorgängermodell Super 2R umschauen, vereinzelt findet man diesen noch, meist für deutlich weniger Geld als den Nachfolger.

Fazit

Der Super 3R ist tatsächlich super! Sicherheitsbewusste Endurofahrer werden kaum einen besseren Allroundhelm finden, der in allen Disziplinen zu glänzen weiß. Lediglich der hohe Preis ist ein Wehrmutstropfen.

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