Bikecheck: Specialized Enduro FSR Elite Carbon 29er

Beitrag Teilen:

Specialized setzt mit dem Enduro seit 1999 Maßstäbe, und so waren wir besonders gespannt auf das aktuellste Modell. Hibike überließ uns die 29er Carbon Variante zum testen und wir ließen es damit ordentlich krachen! Unsere Erwartungen waren hoch und wurden insgesamt erfüllt, im Test konnten wir aber auch eine (leicht behebbare) Schwäche ausmachen.

Das Specialized Enduro ist der Namensgeber und Urvater einer ganzen Klasse von downhilloptimierten All-Mountain Bikes. Mit jeder neuen Version neigen wir daher dazu, richtungsweisende Innovationen zu erwarten. Auf dem Papier hält sich das 2017er Modell was das angeht allerdings bedeckt. Die praktische SWAT Box, in der man kleinere Gegenstände wie z.B. Multitools oder einen Ersatzschlauch direkt im Unterrohr verstauen kann, kennen wir von Specialized schon eine Weile. Jetzt hat das Enduro dieses Feature endlich auch erhalten. Auch die Möglichkeit, sowohl 29 als auch 27,5+ Zoll Laufräder verbauen zu können, ist super aber nicht mehr ganz neu.

Design

Der Rahmen kommt im Specialized-charakteristischen X-Wing Look daher. Die eher unauffällige Lackierung in türkis und schwarz verströmt angenehmes Understatement auf dem Trail, ohne langweilig zu wirken. Der Flaschenhalter, unter dem sich die SWAT Box verbirgt, passt gut ins Design. Insgesamt ein sehr gelungener Auftritt, auch wenn Specialized optisch im Vergleich zu den Vorjahren wenig geändert hat.

Ein schickes Cockpit
Ein schickes Cockpit
Das Enduro verströmt Understatement
Das Enduro verströmt Understatement

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstattung

Specialized verbindet einen Carbon Vorbau mit einem Aluminium Hinterbau. So sollen Stabilität, Gewicht und Steifigkeit des Rahmens optimiert werden. Das Rockshox Fahrwerk, bestehend aus einer Lyrik RC Gabel und einem Monarch Plus Rx Dämpfer, bietet 160 bzw. 165 mm Federweg. Besonders hervorzuheben ist die Autosag Funktion, die Rockshox weiterhin exklusiv bei Specialized anbietet. Damit kann der Dämpfer mit einem einzigen Knopfdruck ans Fahrergewicht angepasst werden. Das Bike besitzt eine SRAM GX Schaltung mit 1×11 Gängen und SRAM Guide R Bremsen mit 200/180 mm Bremsscheiben. In unserem Test kamen Royal Traverse 29er Felgen von Specialized zum Einsatz, Specialized verbaut hier ebenfalls hauseigene Mäntel (Butcher vorne, Slaughter hinten, jeweils 29×2.3″). Auch die Command Post IRcc Sattelstütze stammt aus dem Hause Specialized und bietet in der getesteten Rahmengröße L 125 mm Hub.

Der Rockshox Monarch Plus Rx Dämpfer macht einen guten Job
Der Rockshox Monarch Plus Rx Dämpfer macht einen guten Job
Die SRAM Guide R sorgen für gute Verzögerung
Die SRAM Guide R sorgen für gute Verzögerung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Uphill

Bergauf trumpft das Enduro dank seiner großen Räder erwartungsgemäß groß auf, Hindernisse werden ganz einfach gnadenlos überrollt. Wer sonst nur kleinere Radgrößen gewohnt ist, wird hier ganz schön Augen machen. Außerdem macht sich hier Kombination aus sehr griffigem Vorderreifen und rollfreudigem Hinterreifen positiv bemerkbar, zu den Nachteilen des Slaughter Hinterreifens kommen wir dann im nächsten Absatz… Insgesamt liefert das Specialized bergauf eine sehr solide Leistung, auch dank seines geringen Gewichts von nur 12,9 kg.

Downhill

Wer ansonsten auf kleineren Laufrädern unterwegs ist, muss sich definitiv zuerst ans Handling des Enduro 29ers gewöhnen. Man muss hier doch etwas mehr Körpereinsatz zeigen, um das Rad mit Schwung in die Kurven zu zwingen, als bei einem 27,5 Zöller. Hat man sich allerdings erstmal daran gewöhnt, klappen auch enge Kurven bestens. Der Lenker ist zwar satte 78 cm breit, fühlt sich aber trotzdem in Verbindung mit den großen Rädern nach weniger an. Nach einiger Zeit waren wir sogar überrascht von der Wendigkeit des Bikes. Was das angeht kann es mit seinen kleinen Brüdern definitiv mithalten. Kleinere und größere Drops und Sprünge meistert das Bike problemlos, der lange Federweg und die großen Laufräder sorgen dabei stets für eine stabile und sanfte Landung. Dank der massiven 20 cm Bremsscheiben am Vorderrad bringt die SRAM Guide R den Fahrer auf Wunsch innerhalb weniger Meter sicher zum stehen.

Einen klaren Minuspunkt fährt das Enduro allerdings mit der Wahl des Hinterreifens ein. Der Specialized Slaughter erinnert optisch eher an einen Cross Country Mantel und sollte eigentlich sowohl gute Rolleigenschaften bergauf und seitlichen Grip für die Abfahrt liefern. Leider konnte der Reifen diesen Ansprüchen nicht gerecht werden. In unserem Test driftete das Heck des Bikes nur so durch die Kurven, erst mit fast schon gefährlich niedrigem Reifendruck konnten wir dieses Verhalten etwas reduzieren. Dank des gripstarken Vorderreifens ließ sich das Enduro trotzdem gut steuern. Wir würden allerdings nach einem Kauf als erstes zu einem Wechsel des hinteren Mantels raten, auch wenn dadurch die Performance bergauf wohl etwas leiden wird.

Der Hinterreifen bietet deutlich zu wenig Grip
Der Hinterreifen bietet deutlich zu wenig Grip

Fazit

Das Specialized Enduro Elite Carbon macht selbst eingefleischten 650B Fans die Wahl des richtigen Bikes schwer, denn das alte Argumente der mangelnden Wendigkeit zieht bei diesem 29er überhaupt nicht mehr. Wer sich einen neuen Hinterreifen gönnt, bekommt ein von Specialized ein Top Allroundbike, das jede Situation meistert, viele Fahrfehler verzeiht und keine größeren Schwächen zeigt. Bei einem stolzen Preis von 4700€ ist die Konkurrenz allerdings groß. Woanders kann man zu diesem Preis eine etwas hochwertigere Ausstattung finden. Specialized rechtfertigt seine Preise immer wieder mit richtungsweisenden Innovationen, das 2017er Modell ist allerdings eher eine gute Weiterentwicklung als ein Meilenstein.

Beitrag Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.