Bikecheck: E-Bike Mondraker e-CRAFTY R +

Beitrag Teilen:

Beim von Radkultur organisierten Mondraker Testevent auf dem Großen Feldberg im Taunus hatten wir die Gelegenheit, das e-CRAFTY R + ausführlich zu testen. Unsere Tester hatten zuvor selbst kaum Erfahrung mit e-MTBs, dieser Bericht richtet sich daher eher an Mountainbiker, die neugierig auf die Unterschiede zwischen MTB und e-MTB sind.

Design

Rahmenform und Farbgebung sind natürlich immer Geschmackssache. Das Mondraker-typische Fenster im Rahmen und der Buckel gleich hinter dem Steuerrohr gefallen uns allerdings gut. Auch die limettenfarbene Lackierung steht dem Bike nicht schlecht. Durch den versteckten Hinterbaudämpfer und den relativ kompakten Akku wirkt das Bike insgesamt weniger klobig als so manch anderes e-MTB, trotz der massiven 2,8 Zoll Plussize Walzen (Maxxis Minion DHF).

Ausstattung

Das e-CRAFTY R + bringt mit seinem Alurahmen etwa 22 kg auf die Waage. So viel Gewicht will natürlich gut gebremst werden, dafür hat Mondraker die SRAM Level T mit massiven 200 mm Bremsschreiben verbaut. Das Bike ist mit einer RockShox Yari 27’5+ RC Gabel und einem RockShox Monarch Plus RC3 Solo Air Dämpfer ausgestattet, die jeweils 140mm Federweg liefern. Geschaltet wird mit einer 1×10 SRAM GX Schaltung, aber wer braucht schon Gänge wenn er einen Motor hat, oder? 😉

Ein schickes Cockpit
Ein schickes Cockpit
Der Antrieb von Bosch
Der Antrieb von Bosch

 

 

 

 

 

 

 

 

Uphill

Die Diskussion über den Sinn und Unsinn von e-Bikes ist natürlich ein alter Klassiker unter Mountainbikern. Fakt ist: In unserer Testphase konnten wir wesentlich mehr Durchgänge auf der Downhillstrecke absolvieren als die Kollegen, die ohne e-Bikes unterwegs waren. Schaltet man in den Turbomodus, frisst das CRAFTY selbst steile Skipisten mühelos, während man entspannt mit einer Hand am Lenker pedaliert und sich nett unterhält. Schon nach wenigen Minuten hat man den Weg bis rauf zum Gipfel locker geschafft, den man ansonsten mühsam hoch schieben muss. Nur an extrem steilen Stellen erreicht die Geometrie Ihre Grenzen und man steigt unfreiwillig nach hinten ab. Solche steilen Climbs wären allerdings ohne Antrieb ohnehin unfahrbar.

Für Gravitybiker, die eine steile Strecke gerne so oft wie möglich runterballern möchten, an der es keinen Shuttleservice oder Lift gibt, könnte das CRAFTY eine echte Bereicherung sein. Wer allerdings den Turbomodus anwirft, um damit dann eine lockere Tour zu fahren, der kann wirklich nicht stolz auf seine sportliche Leistung sein. Der Turbomodus ist tatsächlich eher mit Rolltreppe als mit Fahrradfahren vergleichbar. Und jetzt mal Hand aufs Herz, wer hat schon Lust, sich im Ecomodus abzustrampeln, wenn das Bike einem die Arbeit auch gleich ganz abnehmen kann?

Turbomodus, übernehmen sie!
Turbomodus, übernehmen sie!

Die Motorsteuerung ist kinderleicht zu bedienen, das Bike startet die Unterstützung zuverlässig, sobald man in die Pedale tritt. Das Fahrwerk von RockShox unterstützt beim technischen Klettern ohne zu Wippen. Dank der Unterstützung schafft man auch sehr steile, technische Passagen mühelos, an denen man sich sonst die Zähne ausbeißt, sobald man nur ein kleines bisschen den Schwung verloren hat.

Downhill

Dass man mit einem e-Bike gut den Berg hochkommt, hatten wir schon fast vermutet. Wie es allerdings bergab aussehen würde, da waren wir uns vor dem Test nicht so sicher. Die 140 mm Federweg fühlen sich dank der massiven Reifen nach deutlich mehr an, und so starteten wir schon nach kurzem Einfahren der Bikes die ersten Runs auf der Downhillstrecke. Was man auf dem Weg ins Tal zuerst bemerkt, ist das hohe Gewicht des CRAFTY. Die 22 kg schieben gnadenlos geradeaus, daran können auch die massiven Bremsen und die gute Traktion wenig ändern. Wer vor einer Kurve zu spät bremst, pflügt schnell eine 2,8 Zoll breite Spur geradeaus bis ins nächste Gebüsch.

Das CRAFTY möchte gerne grob durch die Kurven gewuchtet werden. Auf der Downhillstrecke muss man sein Körpergewicht voll einsetzen, um in einen guten Flow zu kommen, Verspieltheit leider Fehlanzeige. Das Bike klebt förmlich am Boden, Bunnyhops und größere Sprünge macht es nur widerwillig mit. Nach etwas Eingewöhnungszeit konnten wir aber dann doch ein paar recht gute Runs hinlegen und dabei Daten sammeln.

In technischen Passagen mit vielen Wurzeln und Felsen macht das Bike hingegen eine gute Figur. Durch die Plussize Reifen hat man hier eher das Gefühl, auf 150-160 mm Federweg unterwegs zu sein.

Fazit

E-Bikes sind nichts für jedermann, das ist uns nach dem Test klarer als je zuvor. Während sie für Gravitybiker, Leistungssportler und ältere Menschen sicher sinnvoll sein können, sollten naturfaule Menschen (wie wir…) in ihrem eigenen Interesse vielleicht lieber die Finger davon lassen. Viel zu groß ist die Verlockung, sich vom Turbomodus den Berg hochschummeln zu lassen! Ein Erlebnis zum Genießen sind auf jeden Fall die hasserfüllten Blicke der abgekämpften Mountainbiker, die man erntet, wenn man gutgelaunt und völlig entspant mit 20 km/h am Gipfel eintrudelt (Danke, Turbomodus!)… 😀

Das Mondraker ist ansonsten ein guter Allrounder ohne große Schwächen, vom hohen Gewicht abgesehen.

Bei der Entscheidung sollte man nicht zuletzt den Preis beachten. Für die 5000€, die Mondraker für das e-CRAFTY R + verlangt, bekommt man eben schon ein High-End Endurobike. Damit bekommt man garantiert einen besseren Trainingseffekt beragauf und mehr Spaß bergab.

Beitrag Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.